Digitales Erbe: So regeln Sie Ihren Nachlass im Internet

Patientenverfügung.digital

11.1.2022

Ob E-Mails, Social Media Accounts oder wichtige Dokumente in der Cloud: Wenn jemand stirbt, bleiben viele Daten im Netz zurück. Trotzdem denken noch immer nur wenige Menschen an ihre Daten, wenn sie ihren Nachlass regeln. Das Problem? Ohne Zugangsdaten stehen Angehörige in der digitalen Welt vor verschlossenen Türen…

Warum der digitale Nachlass so wichtig ist

Ein Mensch hinterlässt im Laufe seines Lebens unzählige Daten im Internet. Sie sollten frühzeitig festlegen, was nach Ihrem Tod mit diesen Daten passiert und wer Zugriff auf sie erhält. Doch über welche Daten sprechen wir hier eigentlich? Grundsätzlich über alle!

Zum Beispiel:

  • Online-Banking und Online-Zahlungsdienstleister (z.B. PayPal, Amazon)
  • E-Mail-Konten und Telefonanbieter (z.B. Yahoo, Vodafone)
  • Profile in sozialen Netzwerken (z.B. Facebook, Instagram)
  • Messenger-Dienste (z.B. WhatsApp, Telegram)
  • Streaming- und Clouddienste (z.B. Netflix)
  • Urheberrechte an Bildern, Blogs etc.
  • Kryptowährungen (z.B. Bitcoin)
  • Guthaben auf digitalen Konten
  • Nutzungsrechte an Software

Solche und ähnliche Daten unterliegen denselben gesetzlichen Vorgaben wie das Erbe von Gegenständen (das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) bereits im Juli 2018). Demnach gehen alle Rechte und Pflichten der Online-Konten und Dienste an die Erben des Verstorbenen über. Das bedeutet auch, dass Erben über alle persönlichen Daten verfügen können. Legen Sie also genau fest, wer Zugriff auf Ihre Daten erhalten und Ihr digitales Erbe verwalten soll.

4 Möglichkeiten für Ihren digitalen Nachlass

1. Übersicht erstellen

Erstellen Sie eine Liste mit allen relevanten Konten und Online-Daten und den dazugehörigen Passwörtern. Diese Liste können Sie anschließend einer Vertrauensperson übergeben und Ihren Erben so eine aufwändige Recherche ersparen. Denken Sie daran, Ihre Liste zu aktualisieren, falls sich Ihre Passwörter ändern.

2. Passwort-Manager verwenden

Wer einen Passwort Manager wie 1password verwendet, braucht keine aufwändige Übersicht zu erstellen. Dann reicht es, wenn Sie Ihrer Vertrauensperson Ihr Masterpasswort übergeben (zum Beispiel auf einem passwortgeschützten USB-Stick). Mit dem Masterpasswort kann Ihre Vertrauensperson dann auf alle Konten und Daten zugreifen.

3. Vollmacht erstellen

Auch in Ihrer Vollmacht können Sie eine Vertrauensperson für Ihren digitalen Nachlass bestimmen. So können Sie außerdem detaillierte Angaben machen, was mit welchen Konten passieren soll und zum Beispiel festlegen, welche Daten auf jeden Fall gelöscht werden sollen.

4. Testament erstellen

Statt mit der Vorsorgevollmacht können Sie Ihren digitalen Nachlass auch per Testament regeln. Listen Sie alle Zugangsdaten zu E-Mail-Konten und anderen Diensten auf und legen Sie bei Bedarf fest, wer Zugriff auf welche Accounts bekommt.

So regeln Sie den digitalen Nachlass bei Apple

Wer Apple-Geräte nutzt, kann seinen digitalen Nachlass besonders einfach regeln: Seit iOS 15.2, iPadOS 15.2 und macOS 12.1 können Sie nämlich auf allen Ihren Apple-Geräten einen Nachlasskontakt für Ihre Apple-ID hinzufügen. So können ausgewählte Personen nach Ihrem Tod auf fast alle Daten zugreifen, die mit Ihrer Apple-ID verknüpft sind. Zum Beispiel Fotos, Notizen, Dateien, Apps und mehr. Lediglich auf gekaufte und lizenzierte Medien, Zahlungsdaten und Informationen aus dem Schlüsselbund haben Nachlasskontakte keinen Zugriff.

Wichtige Informationen zum digitalen Apple-Nachlass

  • Der digitale Nachlass mit Apple gelingt mit einem sogenannten Zugriffsschlüssel. Diesen können Sie mit Ihrem Nachlasskontakt teilen: Bei iOS 15.2 bekommt Ihr Kontakt dann eine automatische Nachricht, dass er als Nachlasskontakt hinzugefügt wurde. Sobald Ihr Kontakt annimmt, wird eine Kopie des Zugriffsschlüssels automatisch in den Einstellungen Ihres Nachlasskontakts gespeichert.

  • Hat Ihr Nachlasskontakt kein Apple-Gerät, müssen Sie eine Kopie des Zugriffsschlüssel in Papierform, als PDF-Datei oder Bildschirmfoto zur Verfügung stellen.

  • Ihr Nachlasskontakt muss den Zugriff auf Ihre hinterlassenen Daten mit dem Zugriffsschlüssel und Ihrer Sterbeurkunde beantragen ("Zugriff auf den Apple-Account anfordern"). Nach erfolgreicher Prüfung hat der Nachlasskontakt drei Jahre lang Zugriff auf Ihren Apple-ID-Account.

Tipp: Wie Sie einen Nachlasskontakt bei Apple über die Einstellungen hinzufügen können, können Sie hier lesen: „Einen Nachlasskontakt für deine Apple-ID hinzufügen“.

Welche anderen Anbieter ermöglichen einen digitalen Nachlass?

Neben Apple gibt es relativ wenige Firmen, die an den digitalen Nachlass denken. Google bietet zumindest einen sogenannten Kontoinaktivität-Manager an – hier können Sie festlegen, wer Zugriff auf Ihre Daten haben darf und ab welchem Zeitpunkt das Konto gelöscht werden soll. Auch Facebook bietet die Möglichkeit, Accounts in einen „Gedenkzustand" zu versetzen und einen Nachlasskontakt zu ernennen, der das Konto im Gedenkzustand verwalten soll.

Tipp: Es gibt auch Unternehmen, die sich um Ihren digitalen Nachlass kostenpflichtig kümmern. Die meisten Anbieter sind nicht empfehlenswert, weil die Kosten hoch sind und Sie für die Dienstleistung häufig sehr persönliche Daten an Dritte weitergeben müssen.

Schlusswort

Wer das Internet nutzt, hinterlässt dort viele persönliche Daten. Mit einer Regelung des digitalen Nachlasses stellen Sie sicher, dass sich Ihre Erben problemlos um Ihre Daten kümmern können und Zugriff auf wichtige Konten erhalten. Am einfachsten geht das auf Apple-Geräten – wer kein iPhone & Co. verwendet, muss den digitalen Nachlass manuell regeln (zum Beispiel per Vorsorgevollmacht oder Testament).

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